Ein Opa

Der eine wird' s früher, der andere wird' s später,

normalerweise wird es jeder,

der, der als Mann und Realist

potent und besonders fruchtbar ist.

Dann hat er Kinder, das ist doch klar,

wer emsig ist, hat mehr als zwa.

Und dann die Kinder wiederum,

genauso schlau sind oder dumm,

dann tun sie dich, das sind so Sachen,

kurzüberlang zu Opa machen.

Dies ist der Lauf auf unsrer Erden

du kannst nicht einfach zum Opa werden.

Du wirst, wie eingangs schon gesagt,

zum Opa kurzerhand gemacht.

Die teilen dir den Vorfall mit,

ob dir das Recht ist oder nicht.

Man tut dann so, als ob man froh ist.

Obwohl das Kind noch gar nicht do ist,

wirst du schon Opa tituliert,

wirst schon im voraus gratuliert.

Der Clou, das macht den Bock erst fett,

du hast ' ne Oma dann im Bett.

Man sagt zum Opa hier und da

Opi oder Großpapa.

Großvater hört man hin und wieder,

doch das sind meistens solche Brüder,

die so durch die Gegend traben

und gar kein Opa - Status haben.

Von denen ist der Rede keine,

es sind die Opas, die ich meine.

Die echten Opas uns ' rer Zeit,

die stützen die Gesellschaft heut ' .

Natürlich will ich mit Noblessen

unsere Omas nicht vergessen.

Doch heut' steht hier,  zu dieser Stunde

der Opa ganz im Vordergrunde.

Ich will für die Opas, die jungen und die alten

ein Plädoyer im Stehen halten.

Ich hab Erfahrung Zug um Zug.

Ich bin ja schließlich alt genug.

Obwohl ich mich im großen Stile

noch gar nicht wie ein Opa fühle.

Als einst ich noch kein Opa war,

es liegt zurück jetzt ein paar Jahr,

da war ich im Familienclan

so etwas wie ein Karajan.

Wenn ich mein Taktstock hochgeschwungen,

hat mein Chor synchron gesungen.

Es hat sich alles, wie ihr seht,

um den Papa sich nur gedreht.

Die ganze Verwandtschaft,  kunterbunt,

meine Frau, die Kinder und der Hund.

Es hat kein Teufel aufgemuckt,

voll Ehrfurcht an mir hochgeguckt.

Mein Wort und alles Drumherum

war, wie das Evangelium.

Ob Ostern war, ob Stille Nacht,

man hat mir Zigarren mitgebracht,

die durfte ich in der Wohnung rauchen

und hab' nicht erst zu fragen brauchen.

Kurz um, und das ist nicht geunkt,

der Papa war der Mittelpunkt.

Bis dann das erste Enkelchen,

im Körbchen mit dem Henkelchen,

in meiner Hütte Einzug hielt.

Ich hab das innerlich gefühlt,

ab diesem Zeitpunkt,

da war ich gänzlich abgemeldet,

ein Punkt, an dem man heulen könnt.

Ich war fast nicht mehr existent.

Vorbei mit Chef und Patriarch,

die ganze Ehrfurcht war im   -   Eimer.

Es hat sich alles, früh bis spät,

sich alles nur ums Kind gedreht.

Ob Ostern war, ob Stille Nacht,

das Kind kriegt alles mitgebracht.

Als Opa, und das ist nicht neu,

sitzt du nicht mehr in der ersten Reih' .

Du trittst in den Familienbund

naturgemäß in den Hintergrund.

Du zählst auf einmal zu den Alten,

du darfst das Kind noch nicht mal halten.

Die sagen, so das du es nicht hörst,

das du zu dämlich wärst.

Doch wenn das Kind dann Leben zeigt

und wie 'ne Hex' am Besen kreischt,

dann muss der Opa auf den Plan,

dann muss ich drei, vier Runden fahr' n,

so lange unser Kind dann schläft.

Und wenn man so die Runde läuft,

hast du so manchmal deine Last,

bis du so' n Kind am schlafen hast.

Und wenn es dann schläft so grad,

kommt ein Rentner auf dem Rad,

kreischt der Rentner  -  Opa, Mut,

der Kinderwagen steht dir gut.

Brüllt wie der Ochse, den eine Hornisse zwickt,

und hat das Kind im Wagen hochgekriegt.

Im ersten, also im Babyjahr,

bist du als Opa, das ist klar,

im Hintergrund.

Du bist im nu, 

wie man so sieht, total tabu.

Wenn du nicht da wärst, trotz deiner Stärken,

das würd'  im Haus kein Teufel merken.

Weil alles, wo man geht und steht,

sich alles um den Enkel dreht.

Doch wenn das Babyjahr ist rum,

dann dreht sich der Zustand um.

Tagsüber, wenn die Mutter fort ist,

und auch der Papa nicht vor Ort ist,

da fällt dem Jungen ein,

da muss doch noch ein Opa sein.

Hol' n den aus der Versenkung grad,

das ist die fromme Denkungsart.

Im Schnellkurs kriegst du eingedrechselt,

wie man beschissene Windeln wechselt.

Wie man gekonnt den Popo pudert,

damit das Kindchen nicht verludert.

Kriegst aufgetragen, voll und scharf,

was nicht erlaubt ist, was man darf.

Kurzum, du bist per dutter

tagsüber Vater jetzt und Mutter.

Doch ihr Leute, das ist doch was,

man hat schon morgens seinen Spaß.

Wenn wir los dann laufen,

um das Mittagessen einzukaufen.

Beim Schlachter, haben wir ausgeforscht,

gibt' s jedes Mal ein Stück Wurst.

Doch nicht für Opa, doch fürs Kind,

doch weil wir eine Einheit sind,

tun wir jetzt schon seit einer Weile,

weil' s fürs Kind zuviel wird, alles teile.

Denn wir kaufen unsern Teig

und unsere Menge Fleisch

tagtäglich nicht an eine Stelle.

Das Hackfleisch für die Frikadelle,

das kaufen wir beim Schlachter Floh.

da gibt' s ein Stückchen ca.    -       so.

Dann schleichen wir auf leisen Sohlen

zum Schlachter X , um die Wurst zu holen.

3/4 Fleischwurst abgelängt,

so' n Stückchen zugeschenkt.

Beim dritten Schlachter Suppenknochen,

ich weiß zwar nicht, wann wir die kochen.

Doch großzügig, wie die Schlachter nun mal sind,

so' n Stückchen Wurst fürs brave Kind.

Der Opa freut sich, der Enkel kichert,

das zweite Frühstück ist gesichert.

Mittags dann, wenn' s Wetter gut ist,

Kind und Opa ausgeruht ist,

geht es fort mit einen Satz

auf den Spiel- und Tummelplatz.

Für das Kind, da ist das was,

auch Opa macht das Spaß,

weil, denn dort, und das sind die Spitzen,

lauter junge Mütter sitzen.

Ich hab den Eindruck, bin überzeugt davon,

die sind glücklich, wenn ich komm.

Weil. ich merk' s an ihre' m Gelache,

scheinbar auf sie Eindruck mache.

Anfangs war das nicht so klar,

bis sie wussten, wer ich war.

Viele haben ja gemeint,

weil' s nach außen auch so scheint,

dass der Mann mit soviel Flair,

von dem Kind der Papa wär.

Und das stärkt das Selbstvertrauen,

wenn so viel junge Frauen, dem grauen,

solche Dinge zu noch trauen.

Automatisch wirst du eitel,

von der Sohle bis zum Scheitel.

Schaffst dich mittags um halb dreie,

für den Spielplatz in die Reihe.

Frisch gestylt, das Hemd gestärkt,

wenn' s die Oma nur nicht merkt.

Schiebst los, wie so' n Treiber

auf den Spielplatz zu die Weiber.

Und der Themen gibt' s von Vielen,

unterdes die Kinder spielen.

Wird, wenn uns die Zeit nicht hetzt,

über dies und das geschwätzt.

Während dem die Kleinen hüpfen,

tun wir die Bande knüpfen.

Und ich kann mich amüsieren,

wie die Glasnost praktizieren.

Wie die Jungen offen schwätzen,

wenn wir so zusammen sitzen.

Und ich denke, mein Gott Walter,

ist das der Respekt vorm Alter

oder ob man raffiniert,

irgend was im Schilde führt.

Denn man liest halt mit Interesse,

meistens die Revolverpresse.

Wie mit Tricks und Raffinesse,

gutaussehende ältere Herrn

verführt und vergewaltigt werden.

Opa sein ist eine Gnade

und deswegen und gerade

wird solang der Schornstein raucht,

jeder Opa auch gebraucht.

Opa' s geistig beieinander,

brauchen keinen grauen Panther.

Opa' s schlichten manch' Gewitter,

Opa' s sind auch Babysitter.

Gäb' s keine Opa' s für den Job,

ständ' die Wirtschaft manchmal Kopf.

Opa' s sind auf dieser Welt,

auch kompetent fürs kleine Geld.

Opa' s sind auch Blitzableiter,

und so weiter, und so weiter.

Ohne Opa' s glaubt es mir,

wär' nicht einer von uns hier.

                        In diesem Sinne

 

 

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